Britische Schmiede rekonstruieren Wikingeranker aus historischem Raseneisen
Nach Angaben der BBC reisen die Schmiede Rowan Pickford und Kyle Priestman aus Teesside nach Aggersborg in Dänemark, um einen Wikingeranker zu fertigen.

Der Befund ist hier nicht ein neu freigelegtes Objekt, sondern der kontrollierte Arbeitsprozess: Verarbeitet wird Raseneisen, also jenes Material, das auch wikingerzeitliche Schmiede nutzten. Für die experimentelle Archäologie liegt der Wert in den dokumentierbaren Arbeitsschritten zwischen Rohmaterial und funktionsfähigem Gerät.
Ein Anker aus Raseneisen
Pickford und Priestman arbeiten gemeinsam mit ihrem früheren Lehrer Rowan Taylor sowie Ernestas Jakubauskas. Geleitet wird das Projekt von Jens Olesen, der als international anerkannter Spezialist für Raseneisen genannt wird.
Das Material setzt die technische Grenze des Versuchs. Raseneisen gilt als schwierig zu verarbeiten; moderne Routine mit industriell erzeugtem Stahl lässt sich darauf nicht ohne Weiteres übertragen. Genau dort beginnt die archäologisch relevante Arbeit: Welche Bearbeitungsschritte sind erforderlich, wie verhält sich das Eisen beim Erhitzen und Formen, und welche konstruktiven Entscheidungen ergeben sich daraus?
Der fertige Anker soll etwa zehn Kilogramm wiegen und rund 70 Zentimeter hoch sein. Damit wird kein verkleinertes Anschauungsstück hergestellt, sondern ein Objekt in einer Größe, die praktisch eingesetzt werden kann.
Einsatz auf einem rekonstruierten Schiff
Nach Abschluss der Schmiedearbeiten wird der Anker an der Huld montiert. Das rekonstruierte Wikingerschiff ist von Aggersborg aus in Betrieb. Der Versuch endet damit nicht am Amboss: Der Anker soll seine Funktion am Schiff erfüllen.
Für die Dokumentation wäre dabei entscheidend, die einzelnen Prozessdaten sauber zu trennen: Ausgangsmaterial, Erwärmungs- und Formvorgänge, Maße des Endprodukts sowie die Montage am Schiff. Erst diese Kette macht nachvollziehbar, welche Beobachtungen aus der Rekonstruktion stammen und welche nur gestalterische Entscheidungen bleiben.
Kein Fund, aber ein prüfbarer Arbeitsversuch
Das Projekt ersetzt keinen archäologischen Fundkontext. Es liefert auch keine neue Datierung für Anker der Wikingerzeit. Sein Ansatz ist enger und belastbarer: Ein überlieferter Werkstoff wird mit traditionellen Techniken zu einem einsatzfähigen Objekt verarbeitet.
Für Grabungs- und Vermittlungsprojekte im Weserbergland ist das ein brauchbarer Maßstab. Rekonstruktionen sollten nicht nur als fertige Kulisse gezeigt werden. Material, Werkzeug, Arbeitsspuren und Nutzung müssen als getrennte Ebenen dokumentiert sein. Beim Anker von Aggersborg wird sich vor allem daran messen lassen, wie offen dieser technische Prozess festgehalten wird.