Vergessenes mittelalterliches Kloster unter Sportplatz in Roskilde entdeckt
Eine Bodenradarmessung im dänischen Roskilde hat unter einem Sportplatz die Überreste des mittelalterlichen Klosters St. Clare nachgewiesen, wie die staatlich anerkannte Museumsorganisation ROMU Ende August bekannt gab. Das im 13.

Jahrhundert errichtete Konventsgebäude lag etwa einen Meter unter der heutigen Oberfläche und war zuvor nicht als Bodendenkmal geschützt, da man den Standort als verschollen einstufte. Der Fall ist methodisch interessant: Die Prospektion erfolgte nicht als reine Forschungsmaßnahme, sondern im Vorfeld eines geplanten Tiefgaragenprojekts.
Befundlage im Radarbild
Das Georadar erfasste nach Angaben von ROMU ein annähernd quadratisches Areal von rund 70 mal 70 Metern. Die Anomalien ließen sich als Grundrisse von Räumen, Säulen, Kreuzgang und einer Kirche im südlichen Flügel interpretieren. Der östliche Trakt tritt im Planum besonders scharf hervor: Raumgrenzen und Gewölbepfeiler zeichnen sich deutlich ab. Erfasst werden allerdings nur die untersten Fundamentlagen, also jene Feldsteine und Fundamentreste, die beim Abbruch liegen blieben. Aufgehendes Mauerwerk und Gewölbe selbst sind nicht mehr vorhanden.
Vom Klosterstandort zum Sportplatz
St. Clare war eines von fünf monastischen Zentren im mittelalterlichen Roskilde. Nach der Reformation wurde das Kloster im 16. Jahrhundert abgebrochen; historische Quellen verzeichnen den Verkauf von etwa 500.000 Backsteinen. Für ein Gebäude dieser Kubatur hält der beteiligte Kurator Jesper Langkilde die doppelte Menge für plausibel. Der überwiegende Teil des Materials wanderte damit in sekundäre Verwendung; übrig blieben nur jene unteren Lagen, die für eine Wiederverwendung zu schwer oder zu sperrig waren. Genau diese Schicht erreicht das Georadar.
Nächste Schritte
ROMU plant gemeinsam mit der Kommune probeweise Grabungen an der vorgesehenen Tiefgaragenfläche. Solche Eingriffe unter bestehender Infrastruktur seien insgesamt selten, so Langkilde. Konkrete Funde liegen noch nicht vor. Aufgrund der langen Nutzungsphase sind jedoch Objekte aus dem klösterlichen Alltag zu erwarten: Keramikfragmente, Tierknochen sowie sakrale Gegenstände wie Anhängerkreuze, Rosenkränze und Pilgerzeichen. Der Befund aus Roskilde zeigt exemplarisch, dass auch vermeintlich verlorene Standorte durch zerstörungsfreie Prospektion wieder in den Denkmalkataster zurückfinden können – ein Vorgehen, das sich auf vergleichbare Planungshorizonte übertragen lässt.