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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

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Archäologen entdecken mittelalterliche Wüstung bei Halberstadt

Wie das Fachportal HeritageDaily berichtet, dokumentiert das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Ostrand von Halberstadt seit März eine mittelalterliche Wüstung.

Archäologen entdecken mittelalterliche Wüstung bei Halberstadt

Die Grabungen laufen im Vorfeld der Erschließung des Industriegebiets „Ost" und werden in Abstimmung mit der Stadt Halberstadt durchgeführt. Geophysikalische Messungen hatten zuvor ein mehrteiliges Grabenwerk und zahlreiche Befunde im Untergrund angezeigt.

Vom Prospektionsergebnis zur Grabungsfläche

Die Untersuchungsfläche „Am Frevelgraben" liegt südlich der Gessnerstraße, unmittelbar am gleichnamigen Graben – einem ehemaligen Wasserlauf, der begradigt wurde. Vor Baubeginn waren geophysikalische Surveys angesetzt worden, die Abschnitte eines komplexen, mehrteiligen Grabensystems sowie eine Vielzahl archäologischer Strukturen innerhalb der Umfassung erfassten. Auf dieser Datenbasis wurde die Grabungsfläche eingerichtet; die archäologische Untersuchung wird seither flächig durchgeführt.

Die weitere Umgebung war bereits vor der Prospektion als historisch relevante Siedlungslandschaft bekannt. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Areal genutzt, in Teilen auch als Bestattungsplatz. Der aktuelle Befund bestätigt nach Angaben von Susanne Friederich, Leiterin der überregionalen Bodendenkmalpflege im Landesamt, die Annahme, dass es sich um eine sogenannte Wüstung handelt – eine mittelalterliche Siedlung, die von ihren Bewohnern im Laufe der Zeit aufgegeben wurde.

Strukturierung und Nutzungsphasen

Im Befundbild hebt sich die Gliederung der Siedlung in einzelne Parzellen deutlich ab. Dokumentiert wurden mehrere in Reihen angeordnete Grubenhäuser sowie zugehörige Vorrats- und Siedlungsgruben und zwei Brunnen. Grubenhäuser – im englischen Sprachraum als sunken-featured buildings geführt – besitzen eine unter das Bodenniveau eingetiefte Sohle mit einer darüber errichteten Holzkonstruktion. Die im Boden verbliebenen Substruktionen liefern auch nach dem Verschwinden der Holzelemente noch klar lesbare Befundspuren.

Im nördlichen Grabungsareal, in Richtung des ehemaligen Grabens, fehlen hingegen Hausbefunde. Gruben und erhaltene Nutzungsschichten belegen jedoch eine intensive Nutzung des ufernahen Bereichs. Überlagerungen einzelner Strukturen sowie die Lage benachbarter Grubenhäuser zueinander weisen auf mindestens zwei Siedlungsphasen hin. Offenbar verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt im Laufe der Nutzung schrittweise.

Fundspektrum und methodische Bewertung

Die Fundsituation bleibt ungewöhnlich: Keramikfragmente und Metallobjekte treten nur in geringer Zahl auf. Der überwiegende Teil des beweglichen Inventars scheint von den Bewohnern mitgenommen worden zu sein, was auf eine geordnete Auflassung der Siedlung hindeutet. Halberstadts Oberbürgermeister Daniel Szarata erklärte laut HeritageDaily, die Untersuchung ermögliche es, das Industriegebiet weiterzuentwickeln und gleichzeitig die historisch relevanten Befunde sachgerecht zu dokumentieren.

Für die archäologische Praxis liefert der Befund zwei methodisch relevante Aspekte: Erstens zeigt der Fall, dass eine vorgeschaltete geophysikalische Prospektion in Verbindung mit der bekannten Siedlungstopographie eine gezielte Eingrenzung der Grabungsfläche vor Baubeginn erlaubt. Zweitens demonstriert die klare Parzellenstruktur das Potenzial solcher Wüstungsgrabungen, Aussagen zur inneren Organisation mittelalterlicher Siedlungen zu liefern. Das schmale Fundspektrum lässt allerdings erwarten, dass chronologische Feindatierungen über die Keramik allein nur eingeschränkt möglich sein werden – ein Umstand, der die spätere Auswertung vor methodische Hürden stellt.