Archäologische Sensation: Mittelalterliche Funde unter Ardee Castle freigelegt
Wie die Online-Zeitung Drogheda Life berichtet, haben archäologische Grabungen am irischen Ardee Castle Befunde aus dem 12.

und 13. Jahrhundert freigelegt — also Schichten, die den heute sichtbaren Turmbau aus dem 14. oder 15. Jahrhundert deutlich unterlaufen. Die Untersuchungen laufen als vorbereitende Maßnahmen im Rahmen eines Regenerationsprojekts, das der Louth County Council im Januar 2026 an Francis Haughey Construction vergeben hat. Die archäologische Befundaufnahme leitet Franc Myles von Archaeology and Built Heritage Ltd.
Drei Befunde, eine stratigraphische Abfolge
Den frühesten Eingriff stellt eine Abfallgrube dar, die in den gewachsenen Boden eingetieft wurde, bevor der Turm errichtet war. Ihr Inhalt — Schlachtabfälle von Rindern und Schweinen, mittelalterliche Keramik, Steinabschläge sowie Mörtel- und Schieferfragmente — verweist nach Angaben der Grabungsleitung auf ein frühes Niveau der Stadtgeschichte.
Direkt neben dieser Grube wurde ein großer, runder Brennofen angeschnitten. Zwei Züge in der Struktur sprechen gegen die anfängliche Deutung als Brunnen. Die Leitung favorisiert die Interpretation als Kalkofen zur Mörtelherstellung — ein möglicher Hinweis auf den Bauprozess des Castles selbst.
Den massivsten Eingriff in das Profil bildet eine steinerne Abortgrube unter dem südöstlichen Turm. Sie schnitt durch sämtliche älteren Befunde und erlaubt damit eine klare Trennung früher von späten Aktivitätsphasen.
Methodische Konstellation
Die Grabungsfläche ist nach Einschätzung der Leitung klein, die Befunddichte hoch. Nahezu stündlich werden neue Strukturen freigelegt; eine fortlaufende tachymetrische und fotografische Dokumentation in kurzen Intervallen ist daher unverzichtbar. Für die archäologische Mittelalterforschung im Weserbergland ist weniger der irische Standort von Belang als die methodische Konstellation: ein baubegleitender Eingriff in eine hochverdichtete, mehrphasige Schichtenfolge mit hohem Anteil organischen Materials. Vergleichbare Bedingungen finden sich bei Grabungen an niedersächsischen und nordhessischen Turmhügeln und kleineren Stadtburgen des 13. bis 15. Jahrhunderts. Der Fall belegt, wie stark der archäologische Informationsgewinn an eine konsequente, feature-orientierte Freilegung und Profilzeichnung gebunden ist.
Was zu beobachten bleibt
Die endgültige Bestimmung der Ofenfunktion steht aus. Bis das Profil vollständig aufgeschlossen ist, bleiben zwei Deutungen offen: Kalkofen oder ein anderer Brennprozess. Auch das Verhältnis der Abfallgrube zu späteren Baumaßnahmen ist noch nicht abschließend geklärt; weitere Schnitte und gezielte Probenentnahmen sind erforderlich. Eine separate Meldung über einen mittelalterlichen Befund eines Bournemouth-University-Teams in Dorset liegt nach derzeitigem Stand nur als Titelmeldung ohne ausgeschriebenen Text vor.