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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

Meldung

Archäologische Sensation in Wolin: Skandinavische Hausstrukturen aus dem 11. Jahrhundert entdeckt

Nach Angaben von Arkeonews sind in Wolin in Polen rund 1.000 Jahre alte Häuser mit skandinavisch wirkenden Bauformen bekannt geworden. Die Befunde stammen vom Areal „Silver Hill“ im nördlichen Bereich der frühmittelalterlichen Stadt.

Archäologische Sensation in Wolin: Skandinavische Hausstrukturen aus dem 11. Jahrhundert entdeckt

Für die Archäologie sind nicht die Etiketten „Wikinger“ oder „skandinavisch“ entscheidend, sondern die Frage, ob Bauweise, Entwässerung und Fundmaterial im Planum tatsächlich einen eigenständigen Siedlungsabschnitt fassen.

Vier Holzbauten im wasserführenden Befund

Das Grabungsprojekt wird vom Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Aarhus bearbeitet. Es untersucht den nördlichen Stadtbezirk von Wolin; gesucht werden unter anderem Hinweise auf den historischen Hafen.

Bereits in der vorangegangenen Grabungskampagne wurden vier hölzerne Hütten freigelegt. Zwischen den Gebäuden verliefen Entwässerungsgräben. Die Bauten werden in das 11. Jahrhundert eingeordnet und sollen sich von bislang bekannten Gebäudebefunden aus Wolin unterscheiden. Ihre Anordnung ähnelt laut den Projektbeteiligten Häusern aus skandinavischen Handwerks- und Handelsplätzen im Ostseeraum.

Die Erhaltung beruht auf wassergesättigtem, sauerstoffarmem Boden. Holz, Straßenlagen und weitere Baureste bleiben unter solchen Bedingungen erhalten, während sie in trockeneren Profilen meist rasch vergehen. Das ist ein methodischer Vorteil, verlangt aber eine saubere Befundtrennung: Pfosten, Gräben, Laufhorizonte und Verfüllungen müssen als getrennte Einheiten dokumentiert werden.

Unter dem 10. Jahrhundert liegt der eigentliche Arbeitsbereich

Die laufende Untersuchung hat Schichten des 10. Jahrhunderts erreicht. Darunter erwarten die Forschenden ältere Ablagerungen aus dem 9. und 8. Jahrhundert, der frühen Gründungsphase Wolins. Erst diese tieferen Horizonte können zeigen, wie der Platz angelegt wurde und ob sich ein Hafenbereich archäologisch fassen lässt.

Das ist für die Einordnung der Häuser zentral. Ein skandinavisch anmutender Grundriss belegt zunächst einen baulichen Vergleich, keine eindeutige Herkunft einzelner Bewohner. Entscheidend sind Stratigraphie, Datierung und die Lage der Gebäude zu Verkehrsflächen, Entwässerung und möglichen Uferzonen. Die Grabung will zudem klären, welche Rolle skandinavische Gruppen bei der Entwicklung Wolins spielten. Diese Frage bleibt nach Angaben der Forschenden umstritten.

Zum Fundspektrum der ersten Saison gehören Bernsteinperlen, Metallobjekte, Keramik, Spinnwirtel aus Ton sowie Wetzsteine aus norwegischen Steinbrüchen. Das Material verweist auf Handelskontakte im nördlichen Europa. Einen einzelnen Befund automatisch einer ethnischen Gruppe zuzuschreiben, wäre daraus jedoch nicht abzuleiten.

Relevanz liegt in der Dokumentation, nicht im Schlagwort

Wolin wird seit dem 19. Jahrhundert archäologisch untersucht; erste Grabungen sind für 1828 genannt. Neu sind vor allem die Möglichkeiten, ältere Deutungen mit modernen Datierungsverfahren und Isotopenanalysen erneut zu prüfen. Bei feuchterhaltenden Stadtschichten kann die Verbindung aus präziser Einmessung, Profilaufnahme und naturwissenschaftlicher Untersuchung ganze Siedlungssequenzen neu ordnen.

Für vergleichbare Holzbefunde im Weserbergland bleibt der technische Maßstab derselbe: Nicht die spektakulärste Einzelstruktur trägt die Interpretation, sondern die nachvollziehbare Lage jedes Befunds im Schichtverband. In Wolin wird sich erst mit den tieferen Planen zeigen, ob die vier Häuser einen abgegrenzten Bereich, eine Bauphase oder lediglich einen Ausschnitt eines größeren Hafen- und Handelsplatzes markieren.