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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

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Das Rätsel der quadratischen Schädelwunden von Visby endlich gelöst

Archäologen der Universität Uppsala haben das Rätsel um die rechteckigen Lochverletzungen an den Schädeln von Gefallenen der Schlacht von Visby (1361, Gotland) gelöst — wie Live Science unter Verweis…

Das Rätsel der quadratischen Schädelwunden von Visby endlich gelöst

Archäologen der Universität Uppsala haben das Rätsel um die rechteckigen Lochverletzungen an den Schädeln von Gefallenen der Schlacht von Visby (1361, Gotland) gelöst — wie Live Science unter Verweis auf den biologischen Anthropologen Patrick Randolph-Quinney berichtet. Die knöchernen Defekte stammen demnach nicht von Lanzenspitzen oder Pfeilen, sondern von einem genagelten Streitkolben. Der Befund ist methodisch relevant, weil hier erstmals Bewegungsdaten mit einer Replikwaffe und einer materialnahen Trefferfläche kombiniert wurden.

Befundlage und Replikatest

Die quadratischen Impressionen an den Knochen wurden bereits bei den Grabungen Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentiert, aber nicht abschließend zugeordnet. Randolph-Quinney leitete das Projekt gemeinsam mit Fachleuten für Konfliktarchäologie, aDNA, mittelalterliche Geschichte und Bewaffnungskunde. Die Archäologiestudentin Ronja Bågling brachte die Hypothese „Streitkolben" ein. Im Test wurde ein Aufbau aus Rinderknochen unter einer dicken Schicht ballistischer Gelatine – ein Material, das die Eigenschaften menschlichen Muskelgewebes imitiert – und einer Panzer-Replik verwendet. Der Reenactment-Experte Ray Whitcher führte die Hiebe in einem 4D-Motion-Capture-Anzug aus. So ließen sich Winkel, Schlagfrequenz und resultierende Knochendefekte messen.

Quellenlage und Schlachtverlauf

Die Schlacht wurde im Juli 1361 auf der schwedischen Insel Gotland ausgetragen. Dänische Truppen unter König Valdemar Atterdag griffen die Hansestadt Visby an — einen Knotenpunkt des Handels zwischen Westeuropa und dem Baltikum. 1.800 gefallene Gotländer stehen 300 dänischen Toten gegenüber, beigesetzt direkt nach dem Gefecht in vollständiger Rüstung. Das Massengrab nahe dem Schlachtfeld wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals geöffnet. Randolph-Quinney betonte, die gängige Erzählung — überwiegend schlecht ausgebildete junge und alte Verteidiger — werde der Komplexität des Kampfes nicht gerecht. Demnach arbeiteten die Kämpfer in Gruppen, setzten Gegner methodisch außer Gefecht und führten den letzten Schlag mit dem genagelten Kolben.

Übertragbarkeit und Status

Visby war ein Hauptumschlagplatz der Hanse; das im Befund dokumentierte spätmittelalterliche Kampfgeschehen fällt in einen überregionalen Kontext, der auch den Weserraum berührt. Für hiesige Grabungen liefert die Studie vor allem methodische Standards: Bewegungsdaten plus Materialreplik als Belegkette für eine Hiebwaffenzuordnung. Die Arbeit ist noch nicht peer-reviewed. Die Präsentation erfolgte am 5. August auf dem 25. Treffen der European Paleopathology Association in Berlin. Randolph-Quinney formulierte es selbst so: „We have to understand the complexity of medieval combat; it's not a simple process." Eine offene Publikation mit Zugang zu den 4D-Daten ist abzuwarten, bevor die Methode als Referenz übernommen werden kann.