Mittelalterliches Schiffswrack im Bodensee bei Lindau entdeckt
Im Bodensee vor Lindau haben Unterwasserarchäologen ein mittelalterliches Wrack aus der Zeit zwischen 1420 und 1450 dokumentiert, wie CPG Click Oil and Gas berichtet.

Zunächst waren am Seegrund lediglich Holzstrukturen angesprochen worden; erst nach der Erfassung mehrerer Spantenverbände und Rumpfpartien ließ sich der Befund eindeutig einem Schiffskörper zuordnen. Für die Befundsicherung ist vor allem die bisherige Dokumentationsstrategie von Belang.
Befundlage und Vermessung
Der Fundpunkt liegt nach Angaben des Berichts vor der Küste Lindaus, nahe der Grenze zu Österreich und der Schweiz. Der Hinweis kam von einem ortskundigen Sporttaucher. Bei den ersten Tauchgängen wurden freiliegende Spanten sowie Teile des Rumpfes erfasst, die aus dem Seegrund herausragten. Wie der beteiligte Unterwasserarchäologe Prof. Dr. Tobias Pflederer ausführt, bestand die zentrale Herausforderung darin, die Holzelemente zweifelsfrei als Schiffsverband anzusprechen. Diese Zuweisung ergab sich aus der Verbindung mehrerer Spanten zu einem tragenden Rumpfgerüst.
Die bisherige Vermessung liefert eine Länge zwischen acht und zwölf Metern und eine Rumpfbreite von rund drei Metern. Die Werte stammen aus der Erstinspektion unter Wasser und sind ausdrücklich als vorläufige Einschätzung markiert; sie können sich nach vollständiger Planumsaufnahme noch verschieben.
Datierung und Probennahme
Für die Altersbestimmung wurde in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine kleine Holzprobe entnommen. Die Radiokarbondatierung (C14) wurde über die Schwäbische Zeitung kommuniziert und weist das Wrack in die Jahre 1420 bis 1450. Damit liegt ein klar eingegrenzter Bauzeitraum im 15. Jahrhundert vor. Das Team war ursprünglich von einem deutlich jüngeren Schiff ausgegangen; die Probennahme erfolgte, um diese Erwartung methodisch zu prüfen.
Stand der Bearbeitung
Nach Pflederers Angaben fanden bisher zwei Tauchgänge statt. Die archäologische Erstaufnahme beschränkte sich auf Orthofotos des Befundes sowie die Entnahme der genannten Holzprobe aus einem Bauteil des Gerüsts. Eine flächige Vermessung oder Bergung steht noch aus.
Zur Einordnung: Im Bodensee sind nach Aussage des Archäologen nur vier Wracks aus dem Spätmittelalters bekannt. Vor diesem Hintergrund ist der Befund auch überregional von Interesse, weil er Aussagen zu Schiffsbau und Schifffahrt im Bodenseeraum des 15. Jahrhunderts erlauben kann. Vergleichbare Arbeiten führt die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU) bereits durch, etwa mit Einbäumen im Bodensee und im Chiemsee. Welche Ergebnisse die Folgetauchgänge liefern, bleibt abzuwarten.