Archäologische Sensation: Mittelalterlicher Elite-Friedhof am Naumburger Dom entdeckt
Wie Medievalists.net berichtet, wurde am Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt ein kleiner mittelalterlicher Friedhof mit 13 Gräbern aus dem 11. Jahrhundert freigelegt. Die Grabungen erfolgen seit dem Frühjahr 2026 im Rahmen der Umgestaltung des Domplatzes.

Die aufwendige Bauweise der Gräber und ihre Lage zwischen dem ersten Dom und der Nikolauskapelle sprechen für eine Bestattungsgemeinschaft der zeitgenössischen Elite.
Befund und Grabbau
Der Friedhof lag zwischen dem ersten Dom und der im 11. Jahrhundert errichteten Nikolauskapelle. Diese wurde im 15. Jahrhundert von der noch bestehenden Dreikönigskapelle überbaut. Dokumentiert wurden 13 Bestattungen unterschiedlicher Altersgruppen: Männer, Frauen, Jugendliche sowie ein etwa einjähriges Kind.
Fünf Individuen waren in gemörtelten Steinkisten bestattet, deren Seitenwände überwiegend aus sehr großen, mit Kalkmörtel verbundenen Steinplatten bestanden. Vor der Verfüllung der Gruben wurde diese Steinkonstruktion vollständig mit Holz abgedeckt. Zwei weitere Verstorbene lagen ebenfalls in Steinkisten, wobei die aufrechten Platten hier nicht vermörtelt waren. Bei weiteren Gräbern waren lediglich Steinplatten am Kopf- und Fußende positioniert. Das etwa einjährige Kind wurde als spätere Beisetzung in eine der gemörtelten Steinkisten eingebracht. Nach Angabe der Archäologen bestehen Hinweise auf eine enge Bindung zwischen dem Kind und der darunter bestatteten Person. Da sich nur wenige Gräber überlappen und dies ausschließlich an den Rändern, ist von einer oberirdischen Markierung und einer kurzen Nutzungsdauer auszugehen.
Datierung und methodische Hürden
Die zeitliche Eingrenzung bleibt schwierig, da mittelalterliche Bestattungen üblicherweise wenige Beigaben enthalten. Die Zuordnung ins 11. Jahrhundert stützt sich daher auf zwei stratigrafische Anhaltspunkte: die charakteristische Grabbauweise und die Störung des Friedhofs durch den spätromanischen Neubau des Doms. Dieser ersetzte ab etwa 1210 den älteren Bau; dessen Krypta wurde in den Neubau integriert. Der erste Dom selbst war nach der Verlegung des Bischofssitzes von Zeitz nach Naumburg im äußeren Bering der "Neuen Burg" der Ekkehardiner Markgrafen errichtet worden und war in den 1040er-Jahren weitgehend fertiggestellt.
Geplant sind weiterführende naturwissenschaftliche Untersuchungen der Skelette, darunter DNA-Analysen durch das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Diese könnten Aussagen zu Verwandtschaftsverhältnissen liefern und klären helfen, ob es sich um eine Familiengruppe handelt.
Vorgeschichte und Ausblick
In den 1960er-Jahren hatten umfangreiche Untersuchungen bereits ein solides Bild der Architekturgeschichte des Naumburger Doms ergeben. Der Außenbereich blieb dagegen weitgehend unerforscht. Die laufenden Grabungen schließen diese Lücke und liefern erstmals einen zusammenhängenden archäologischen Befund aus dem unmittelbaren Domumfeld, der über den Kirchenbau hinaus auch die zugehörige Bestattungsgemeinschaft erfasst.
Die nächsten Arbeitsschritte umfassen die Konservierung und feinstratigrafische Auswertung der Befunde, die Dokumentation der Grabungsschnitte sowie die Auswertung der anthropologischen und molekulargenetischen Daten. Bis dahin bleibt die genaue zeitliche Zuordnung offen.