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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

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Mittelalterliche Manuskriptfunde auf Guernsey: Einblicke in die literarische Vergangenheit

Archivarinnen und Archivare der Guernsey Island Archives haben nach Angaben des Guardian gemeinsam mit Handschriftenspezialisten der Universitäten Kent und Oxford 17 wiederverwendete Fragmente mittelalterlicher Handschriften aus dem 12. bis 15.

Mittelalterliche Manuskriptfunde auf Guernsey: Einblicke in die literarische Vergangenheit

Jahrhundert identifiziert. Die Blätter dienten im 16. und 17. Jahrhundert als Einbandmaterial für Pachtbücher und Verwaltungsakten und blieben dadurch über mehrere Jahrhunderte in den öffentlichen Sammlungen erhalten. Der Befund liefert erstmals konkrete Daten zu Leseinteressen und Sprachgebrauch auf der Kanalinsel.

Befundlage im Archiv

Die Fragmente lagern im Bestand der Island Archives sowie im Tresor des greffier, des obersten Verwaltungsbeamten der Insel. Sie waren im 16. und 17. Jahrhundert beschnitten, gefaltet und als Einbände für administrative Aufzeichnungen weiterverarbeitet worden. Dieses Recycling sicherte die Erhaltung der Pergamente. Die ursprünglichen Kodizes selbst sind nicht überliefert; erhalten sind ausschließlich die ausgesonderten Beschneide und Doppelblätter. Guernsey liegt 30 Meilen westlich der Normandie und gehört als britische Kronabhängigkeit administrativ nicht zum englischen Festland.

Beteiligte und methodisches Vorgehen

Die Identifizierung erfolgte durch Personal der Island Archives in Zusammenarbeit mit Dr. David Rundle, Handschriftenspezialist am Centre for Medieval and Early Modern Studies der University of Kent, und Prof. Tamara Atkin, Buchhistorikerin an der University of Oxford. Auslöser war die Recherche des Archivassistenten Callum Tostevin-Hall zu einer Abschrift der Extente von Guernsey aus dem Jahr 1331. Bei der Prüfung einer Signatur stieß er auf einen Pergamenteinband mit lateinischem Text. Er beschreibt den Vorgang mit den Worten: „This first began when I was asked to track down a 16th-century copy of Edward III's 1331 Extente of Guernsey and I noticed that the shelf mark contained reference to a vellum cover with Latin text that had been removed from the notebook in a previous round of conservation. I checked this cover and was astonished to find that it was clearly a reused bifolium from a medieval manuscript."

Rundle erläuterte dem Guardian die Bedeutung des Fundorts: „Why Guernsey is exciting is [that] nobody's known of anything here. Elsewhere, the Reformation in England, the dissolution of the monasteries, often involved the breaking up of manuscripts. Quite a lot of those manuscripts were liturgical. There are many more non-religious fragments in this Guernsey collection than you would expect." Ergänzend wies er darauf hin, dass das Französische in England im Spätmittelalter als Literatursprache an Bedeutung verlor, auf Guernsey aber offenbar weiterhin als Lesesprache genutzt wurde.

Inhaltliche Spannweite

Die identifizierten Texte decken ein breites Spektrum ab. Genannt werden ein Auszug aus einem dramatischen Gedicht, eine Ovid-Passage, Bibelfragmente und ein Reisebericht. Unter den französischen Texten findet sich ein Fragment aus L'Estoire de Griseldis, eines weltlichen Dramas, das auf etwa 1395 datiert und Philippe de Mézières zugeschrieben wird. Die Vorlage greift Giovanni Boccaccios Decameron von 1353 auf; die erhaltene Version gilt als ausgesprochen selten und belegt eine Rezeption über den französischen Königshof hinaus. Bei den Bibelfragmenten ist ein lateinisches Stück aus dem späten 12. Jahrhundert mit einer Annotation aus dem frühen 15. Jahrhundert hervorzuheben, möglicherweise von einem Priester.

Bis zu diesem Fund war die mittelalterliche Literaturgeschichte Guernseys in der Forschung nicht dokumentiert. Der Bestand bildet nun eine belastbare Grundlage für weitere kodikologische und sprachhistorische Untersuchungen.