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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

Meldung

Frühmittelalterliche Bestattungen in Altenberge durch Radiokarbondatierung bestätigt

Wie Archäologie Online berichtet, haben 14C-Analysen von Skelettfunden aus dem Umfeld der katholischen Pfarrkirche St.

Frühmittelalterliche Bestattungen in Altenberge durch Radiokarbondatierung bestätigt

Radiokarbondatierung: Frühmittelalterlicher Friedhof in Altenberge naturwissenschaftlich belegt

Johannes der Täufer in Altenberge (Kreis Steinfurt) den mittelalterlichen Charakter der Bestattungen bestätigt. Die Ausgrabung erfolgte im Herbst 2025 begleitend zur Erneuerung und teilweisen Neuverlegung von Mischwasserkanälen im Umfeld der Pfarrkirche. Die Gräber datieren zwischen das 8. und das frühe 11. Jahrhundert und damit ins Frühmittelalter.

Befund und Probenmaterial

Insgesamt wurden elf West-Ost-orientierte Bestattungen dokumentiert. Aufgrund des durch die Kanalbauarbeiten lokal begrenzten Eingriffs war eine vollständige Freilegung nicht möglich. Die Knochen waren durchgehend gut erhalten und damit für die Entnahme von 14C-Proben geeignet. Grabungsleiter Christian Golüke von der durchführenden archäologischen Fachfirma beschreibt die Ausgangslage: „Die Fundumstände deuteten darauf hin, dass wir es mit einem frühen Friedhof zu tun haben könnten."

Die Datierung der vier entnommenen Proben erfolgte in einem spezialisierten Labor in Vilnius (Litauen). Dr. Andreas Wunschel, Archäologe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), erläutert das methodische Vorgehen: Die Radiokarbonmethode bestimmt das Alter organischer Überreste wie Knochen anhand des Zerfalls des 14C-Isotops und erlaubt dadurch eine zeitliche Einordnung des Todeseintritts.

Einordnung für die Ortsgeschichte

Alle vier Proben lieferten übereinstimmende Ergebnisse aus dem Zeitraum 8. bis frühes 11. Jahrhundert. Schriftquellen und ältere Untersuchungen hatten bereits eine frühmittelalterliche Gründung der Altenberger Pfarrkirche als wahrscheinlich eingestuft. Mit den Radiokarbondaten liegt nun erstmals ein naturwissenschaftlicher Beleg vor, wie Wunschel betont: „Die Ergebnisse sind wissenschaftlich von großer Bedeutung."

Nach aktuellem Forschungsstand wird die Pfarrkirche als liudgerische Urpfarre interpretiert, angelegt auf dem Grund eines bischöflichen Haupthofes. Diese Konstellation verweist auf die Christianisierungsphase Westfalens unter Bischof Liudger, der 809 verstarb. Bereits 2024 war im Umfeld der Kirche ein massiver Bruchsteinkeller angeschnitten worden, dessen Nutzungszeit anhand von Keramikfunden ins 13. Jahrhundert datiert.

Was zu verfolgen bleibt

Die lokal eng begrenzte Aufschlussfläche erlaubt keine Aussage zur Ausdehnung des frühmittelalterlichen Friedhofs. Die vollständige Auswertung der Grabungsdokumentation und der Laborprotokolle erfolgt beim LWL. Über den unmittelbaren Fundort hinaus liefert der Befund einen methodischen Referenzpunkt: die direkte Verzahnung von archäologischem Befund und 14C-Daten als naturwissenschaftliches Korrektiv zu bisher dominierenden Schriftquellen bei der Datierung frühmittelalterlicher Pfarrstellen. Für vergleichbare Anlagen in der Region bleibt abzuwarten, ob weitere Bauvorhaben Aufschlussflächen gleicher Qualität eröffnen.