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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

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Archäologischer Sensationsfund: Mittelalterliches Notizbuch aus Paderborner Latrine geborgen

Nach Angaben des Archaeology Magazine wurde bei Ausgrabungen in Paderborn ein 700 bis 800 Jahre altes Wachstafel-Notizbuch aus einer Latrine geborgen.

Archäologischer Sensationsfund: Mittelalterliches Notizbuch aus Paderborner Latrine geborgen

Das Fundstück besteht aus Holz und Wachs, lag in einer geprägten Lederhülle und ist bislang nicht lesbar. Für die Archäologie ist der Befund vor allem methodisch relevant: Die Latrine hat organische Materialien unter ungewöhnlich günstigen Erhaltungsbedingungen versiegelt.

Ein Befund aus Holz, Wachs und Leder

Das Notizbuch umfasst zehn mit Wachs beschichtete Seiten. Die Schrift konnte bisher lediglich als Latein identifiziert werden. Eine vollständige Transkription und die Konservierung des Objekts werden nach Angaben der Paderborner Stadtarchäologin Sveva Gai etwa ein Jahr in Anspruch nehmen.

Der Erhaltungszustand hängt unmittelbar mit der Fundlage zusammen. Die Latrine war luftdicht abgeschlossen. Das stark feuchte Milieu verlangsamte den Zerfall von Holz und Wachs. Zusätzlich schützte die geprägte Lederhülle das Notizbuch vor der weiteren Zersetzung. Der Fund zeigt damit keinen beliebigen „Toilettenfund“, sondern eine klar umrissene Erhaltungskette: Ablage oder Verlust, Versiegelung, Feuchtigkeit und schließlich eine kontrollierte archäologische Bergung.

Für die Befundsicherung ist diese Abfolge entscheidend. Das Objekt darf nicht isoliert vom Befund, vom Profil und von der umgebenden Verfüllung bewertet werden. Gerade bei organischen Materialien können kleinste Veränderungen des Milieus den Erhaltungszustand beeinflussen. Aussagen zur ursprünglichen Nutzung müssen deshalb bis zum Abschluss der Konservierung zurückgestellt werden.

Was sich bereits abzeichnet

Einige Sätze wirken laut Sveva Gai wie Schreibübungen. Das Wachs konnte möglicherweise gelöscht und die Tafel erneut verwendet werden. Damit wäre nicht jede Eintragung als dauerhaftes Dokument angelegt gewesen. Ob es sich um einen geschäftlichen Eintrag, persönliche Notizen oder einen anderen Texttyp handelt, ist noch offen.

Die mögliche soziale Einordnung bleibt ebenfalls vorsichtig. Das Notizbuch könnte einer wohlhabenden Person gehört haben, etwa einem Händler, der Transaktionen oder Gedanken festhielt. Ebenso wird ein Geistlicher oder junger Mönch aus dem Umfeld des nahe gelegenen Peter-und-Paul-Klosters als Möglichkeit genannt. Bestätigt ist keine dieser Zuschreibungen.

Zusätzlich wurden zerrissene Seidenstücke gefunden. Sie könnten als Toilettenpapier verwendet worden sein. Der Befund liefert damit einen weiteren Hinweis auf die materielle Ausstattung der Person, die das Notizbuch besaß. Auch hier ist die Formulierung entscheidend: Die Nutzung der Seide ist eine archäologische Interpretation, keine direkt ablesbare Tatsache.

Was für die weitere Auswertung zählt

Der nächste belastbare Schritt ist die Konservierung. Erst danach kann geprüft werden, wie viel der zehn Wachstafeln tatsächlich entziffert werden kann. Der Arbeitsablauf ist damit vorgegeben: Stabilisierung des Materials, Dokumentation der Oberflächen, Transkription und anschließend die Einordnung in den archäologischen Befund.

Für die regionale Archäologie im Weserbergland liegt die Relevanz weniger in einer direkten Verbindung zu Paderborn als in der Erhaltungspraxis. Latrinen, Gruben und andere feuchte, abgeschlossene Befunde können organische Materialien bewahren, die im trockenen Boden vollständig verschwinden würden. Holz, Leder, Textilien und Wachs verlangen deshalb eine andere Grabungs- und Dokumentationsstrategie als Keramik oder Stein.

Das Paderborner Notizbuch ist vorerst kein fertiger Lesefund. Es ist ein konservatorischer Arbeitsfall mit offenem Textbefund. Erst die Auswertung der Materialien und der Schrift wird zeigen, ob aus dem Objekt ein persönliches, geschäftliches oder klösterliches Dokument wird.