Archäologische Entdeckung: Mittelalterlicher Wehrturm in Nantes datiert
Berichten von Medievalists.net zufolge haben Archäologen in Nantes die Reste des mittelalterlichen Wehrbaus Tour du Mûrier untersucht und in das 15. Jahrhundert datiert.

Die drei Wochen dauernde Grabung leitete die Doktorandin Camille Dreillard von der Université de Nantes, unterstützt von sechs Studierenden. Der Befund nahe der Kathedrale und der Cours Saint-Pierre liefert neue Daten zur spätmittelalterlichen Stadtbefestigung der bretonischen Herzogsstadt.
Datierung über Geschützscharten
Methodisch stützt sich die zeitliche Einordnung auf zwei in den Turmkörper eingelassene Schießscharten. Ihre Geometrie verweist auf den Einsatz von Pulverwaffen, was nach Angaben des französischen Kulturministeriums eine Erbauung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts begründet. In diese Phase fallen die zunehmenden Konflikte zwischen dem Herzogtum Bretagne und dem Königreich Frankreich; Nantes galt als politisch und strategisch gewichtiges Zentrum und baute seine Wehrlinie in dieser Zeit systematisch aus. Bislang war der Befund zwar seit 1932 sichtbar, eine detaillierte archäologische Bearbeitung hatte es bis zu den aktuellen Arbeiten jedoch nicht gegeben.
Schichtenfolge und Vorgängerbebauung
Im Aufschluss trat ein bislang unbekannter Abschnitt der älteren Stadtmauer zutage, dessen Teile bis in die römische Epoche zurückreichen. Der mittelalterliche Turm wurde damit in eine bereits mehrphasige Befestigungslinie integriert, nicht auf zuvor unbebautem Gelände errichtet. Aus dem verfüllten Stadtgraben sicherte das Team Keramikfragmente, Glas und Speisereste; deren naturwissenschaftliche und typologische Auswertung soll nach Mitteilung der Beteiligten Rückschlüsse auf Versorgung und Alltag vom Spätmittelalter an erlauben. Der Schnitt verdeutlicht zudem, wie sich die Befestigungen aus ihren antiken Ursprüngen über die mittelalterlichen Ausbauphasen bis in die frühe Neuzeit fortgeschrieben haben.
Konservierung und Auswertung
Nach Abschluss der Grabung im August 2026 werden die freigelegten Mauerzüge wieder mit Erdreich überdeckt. Den Beteiligten zufolge bietet diese Rückdeckung den wirksamsten Schutz gegen Verwitterung durch Luftzutritt und wechselnde Feuchtigkeit; ein dauerhaft offenliegender Befund würde das Mauerwerk stärker beanspruchen. Die Fundstücke fließen in Dreillards laufende Dissertation zur Befestigungsgeschichte von Nantes ein. Der Turm selbst blieb noch bis ins 18. Jahrhundert Bestandteil der Verteidigungsanlagen, ehe seine oberen Abschnitte beim Ausbau der Promenade Saint-Pierre abgebrochen wurden. Die heute sichtbaren Reste waren bereits 1932 wiederentdeckt worden, hatten seitdem aber keine systematische archäologische Dokumentation erfahren.