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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

Meldung

Archäologische Entdeckung: Frühe Befestigungsanlagen unter der Burg Loburg freigelegt

Nach Daten des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) hat eine Grabung an der Burg Loburg eine Befestigungsphase freigelegt, die deutlich vor den heute sichtbaren mittelalterlichen Bauwerken liegt.

Archäologische Entdeckung: Frühe Befestigungsanlagen unter der Burg Loburg freigelegt

Geöffnet wurde ein Schnitt von 30 Metern Länge und 6 Metern Breite am Westfuß des Burghügels über der Ehle, in Kooperation mit der Stadt Möckern. Anlass waren Baugrundverbesserungen am Haupthaus, dessen Schäden eine vorherige archäologische Begleitung erforderlich machten.

Profil und Graben

Im Schnitt zeigte sich ein rund 8 Meter breiter und über 3 Meter tiefer Graben. Innenseitig stand ein Holz-Erde-Wall, dessen Schichtaufbau in komplexer Abfolge erhalten ist. Die Achse der Befunde deutet auf eine ursprünglich etwa kreisförmige Anlage hin, deren Zentrum weiter südwestlich lag als der heutige Baukörper. Da der Schnitt dem baulichen Bedarf folgt und kein archäologisches Idealraster darstellt, ist die Befundgeometrie nur ausschnitthaft belegt – eine methodische Einschränkung, die bei jeder Interpretation mitlaufen muss.

Slawische Keramik und Datierung

Aus den untersten Schichten der Befestigung stammen zahlreiche Fragmente mittelslawischer Keramik, darunter Stücke mit charakteristischen Kammstrichmustern. Die Scherben verweisen auf intensive Nutzung im 9. und 10. Jahrhundert. Die frühesten Schichten und Gruben gehören vermutlich zu einer Siedlung, die entweder unbefestigt war oder nur über vergleichsweise leichte Verteidigungsanlagen verfügte. Die Umstellung auf eine massive Befestigung erfolgte vermutlich in ottonischer Zeit des 10. Jahrhunderts, als der beschriebene Graben und der Holz-Erde-Wall angelegt wurden.

Bauphasen und Schriftquellen

Schriftlich fassbar wird der Ort 965: Otto der Große überträgt eine „civitas Luborn" an das Moritzkloster in Magdeburg, im Kontext der Errichtung des Erzbistums. 1161 erscheint die Anlage als befestigter Bezirk „Louburg". Diese Daten decken sich mit der Stratigraphie: Im 12. Jahrhundert wurde der ältere Graben gezielt verfüllt, der Wall mit Aufschüttungsmaterial überdeckt. Spätestens im 13. Jahrhundert folgten erste Steinbauten auf dem erhöhten Plateau. Der Gesamtbefund dokumentiert damit den Übergang von einer frühmittelalterlichen Siedlung mit slawischer Keramik über eine ottonische Befestigung bis zur hochmittelalterlichen Steinburg.

Die Ausgrabung deckt nur einen schmalen Westsaum ab. Aussagen zur Gesamtgeometrie der ottonischen Anlage bleiben vorläufig, solange kein ergänzender Schnitt im Südwesten vorliegt. Auch eine eventuell vorgelagerte, unbefestigte Siedlung des 9. Jahrhunderts ist mit dem aktuellen Planum nicht abschließend zu fassen. Die Befunde aus Loburg liefern einen selten direkten Einblick in den Bauhorizont unter einer späteren Burg – stratigraphisch eindeutig, methodisch aber an die Geometrie eines baugrundbedingten Schnitts gebunden.