kndw-ev

Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

Meldung

Verborgene Klosteranlage unter Fußballplatz bei Roskilde entdeckt

Laut Smithsonian Magazin haben Georadarmessungen bei Roskilde in Dänemark die Überreste des mittelalterlichen Klosters St. Clare nachgewiesen.

Verborgene Klosteranlage unter Fußballplatz bei Roskilde entdeckt

Klosterruine St. Clare bei Roskilde per Georadar erfasst

Mauern, Kreuzgänge, Pfeiler und eine Kirche liegen demnach nur etwa 90 Zentimeter unter der Oberfläche eines Sportplatzes, der seit 1961 als Fußballfeld genutzt wird. Nach Einschätzung der beteiligten Archäologen handelt es sich um einen der am deutlichsten dokumentierten Klosterkomplexe in Skandinavien.

Prospektion mit ATV und GPR

Anlass war eine geplante Tiefgarage der Kommune Roskilde. Das Museumsverbund ROMU, das Nationalmuseum Dänemarks und das Norwegische Institut für Kulturerbeforschung (NIKU) veranlassten daraufhin im Januar eine zerstörungsfreie Prospektion. Ein Quad mit montiertem Georadar (GPR) überquerte den schneebedeckten Platz. Das Verfahren sendet elektromagnetische Wellen in den Untergrund, die an Materialwechseln und Schichtgrenzen reflektiert werden und Rückschlüsse auf die elektrischen Eigenschaften der angetroffenen Materialien erlauben. Üblicherweise erfordert das Datenmaterial aufwendige Nachbearbeitung; im aktuellen Fall erkannte der NIKU-Archäologe Arne Abel Stamnes die Strukturen bereits am Laptop im Fahrzeug. Die Datenqualität sei außergewöhnlich gewesen, erklärte er. In seiner Einschätzung handelt es sich um eine der klarsten GPR-Aufnahmen eines skandinavischen Klosterkomplexes.

Grundriss und Geschichte

Das Kloster St. Clare wurde 1256 gegründet und gehörte zum Orden der Klarissen. Es war das älteste der drei Klarissenklöster im mittelalterlichen Dänemark. Roskilde galt im Mittelalter als Zentrum kirchlicher und königlicher Macht mit fünf monastischen Standorten. Die Anlage umfasste vier Flügel um einen Innenhof und maß rund 70 Meter in der Länge. Im Hof wird ein Brunnen vermutet. Die Kirche lag im Südflügel und war nach den Radardaten wahrscheinlich ein hoher Bau mit Gewölbedecke. Der ROMU-Archäologe Jesper Langkilde verwies auf vergleichbare Grundrisse an anderen europäischen Klosteranlagen. Zudem hält er es für wahrscheinlich, dass der Konvent in der Kirche erhöht saß, abgetrennt von männlichen Besuchern. Der Konvent wurde im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation aufgegeben. Das Mauerwerk wurde großteils abgetragen; etwa eine halbe Million Backsteine wurden an das nahe Schloss Selsø verkauft. Die vier anderen Klosterstandorte in Roskilde stehen heute als Bodendenkmäler unter Schutz. St. Clare erhielt keinen Schutzstatus, da ein vollständiger Verlust des Baukörpers angenommen wurde. Die jahrzehntelange Nutzung als Rasenfläche hat die darunterliegenden Strukturen vor tieferen Eingriffen bewahrt.

Ausblick

Die Forscher planen archäologische Grabungen am Standort. Methodisch belegt der Fall, dass eine dünne rezente Bodenschicht keine verlässliche Aussage über den Erhaltungszustand darunter liegender Strukturen erlaubt. Vergleichbare Prospektionen laufen aktuell an mehreren mittelalterlichen Konventen in Mitteleuropa. Für Standorte im Weserbergland mit vergleichbarer Geschichte wäre eine GPR-Vorerkundung vor Bodeneingriffen ein gangbarer Weg, um die Substanz zu sichern, bevor invasive Maßnahmen erfolgen.