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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

Meldung

Das Vampir-Grab von Pień: Neue Erkenntnisse zur Identität der bestatteten Frau

Das Team um Dariusz Poliński von der Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń hat eine systematische Studie zu dem 2022 bei Pień in Nordpolen freigelegten Skelett aus einem sogenannten Vampir-Grab veröffentlicht. Die Ergebnisse erschienen am 30.

Das Vampir-Grab von Pień: Neue Erkenntnisse zur Identität der bestatteten Frau

Juli im Journal of Archaeological Science: Reports. Im Mittelpunkt stehen aDNA-Analysen sowie die stratigraphische Auswertung des Gräberfelds mit bislang 101 dokumentierten Bestattungen des 17. Jahrhunderts.

Der Befund in Pień

Das Skelett, im Team "Zosia" genannt, lag in einer unmarkierten Grabgrube auf einem Acker nahe des Dorfes Pień bei Dąbrowa Chełmińska. Über dem Hals fand sich eine rostige Sichelklinge, am Fuß ein Vorhängeschloss. Die Kombination aus zwei Sicherungsmaßnahmen wertet Poliński als Hinweis auf eine überdurchschnittliche Furcht der Hinterbliebenen vor einem postmortalen Wiederauferstehen des Leichnams.

Das Gräberfeld wird seit 2005 archäologisch untersucht. Es liegt abseits der Siedlung am Hang, nahe einer Kreuzung, ohne Bezug zu Kirche oder Kapelle. Die Fläche diente rund vier Generationen im 17. Jahrhundert als Bestattungsplatz. Fehlende Devotionalien wie Kreuze oder Medaillen schließen nach Angaben des Autorenteams eine katholische Bestattungstradition weitgehend aus. Die Belegung gilt als protestantisch, was zur historisch belegten Präsenz lutherischer und mennonitischer Gruppen aus Deutschland und den Niederlanden in dieser Region passt.

Methodische Aufarbeitung

Neben der stratigraphischen Grabung mit Profil- und Planumsaufnahme kamen aDNA-Analysen sowie weitere naturwissenschaftliche Verfahren zum Einsatz. Die Befunddokumentation erfasste mehrere deviante Bestattungen auf demselben Feld: ein Kind in Bauchlage, ein Skelett in Kreuzigungsposition, Gräber mit Steinplatten rund um den Schädel sowie weitere Sichel-Schloss-Kombinationen. Die Lage des Areals stützt nach Einschätzung des Autorenteams die These eines Begräbnisorts für gesellschaftlich Ausgegrenzte - unabhängig vom sozialen Status. Solche Plätze fänden in der schriftlichen Überlieferung in der Regel keine Erwähnung, was die dürftige Quellenlage erkläre.

John Blair, emeritierter Professor für mittelalterliche Geschichte und Archäologie an der Universität Oxford, ordnet die Sichel-Hals-Sicherung als eine spezifisch frühneuzeitliche polnische Praxis ein. Schutzmaßnahmen gegen Leichname seien weltweit und über lange Zeiträume dokumentiert; die hier erfasste Form erscheine jedoch spezifisch für das frühneuzeitliche Polen.

Was die Studie leistet - und was nicht

Die Arbeit ist nach Angaben des Autorenteams die erste systematische naturwissenschaftliche Aufarbeitung des 2022 freigelegten Befunds. Zuvor dominierte die mediale Verbreitung über die Dokumentation "Field of Vampires" (2024). Für die Befundinterpretation vergleichbarer Konstellationen in mitteleuropäischen Gräberfeldern liefert die Kombination aus stratigraphischer Dokumentation und aDNA einen methodischen Referenzrahmen. Offen bleibt, wie weit sich die Ergebnisse auf weitere Vampir-Bestattungen übertragen lassen - hierzu müssen die übrigen Bestattungen des Feldes ausgewertet werden.