Archaeologists reveal hidden history of Königsberg’s Far Forstadt
Wie das Fachportal HeritageDaily berichtet, hat die Sambische Archäologische Expedition des Instituts für Archäologie der Russischen Akademie der Wissenschaften 2026 in Königsberg ein Areal der…

Wie das Fachportal HeritageDaily berichtet, hat die Sambische Archäologische Expedition des Instituts für Archäologie der Russischen Akademie der Wissenschaften 2026 in Königsberg ein Areal der mittelalterlichen Fernen Vorstadt (Far Forstadt) flächig untersucht. Die Grabung erfolgte im Vorfeld geplanter Umbauarbeiten in einem Park zwischen Leninsky Prospekt, Krasnooktyabrskaja Straße und Morekhodnaja Straße. Erstmals zusammenhängend dokumentiert werden konnten stratigrafische Daten zur städtebaulichen Entwicklung des Vorstadtbezirks vom 14. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Befundlage und Schichtaufbau
Das Areal ist nach Angabe des Portals Teil der seit 1327 urkundlich fassbaren Ländereien des St.-Georgs-Hospitals, das seinerzeit Weiderechte erhielt. Kulturelle Ablagerungen aus der Königsberger Zeit waren bereits 2006 nachgewiesen worden, 2025 erfolgte die offizielle Anerkennung als archäologisches Denkmal. Die durchgehende Wassersättigung des Bodens bewirkte eine für städtische Grabungen ungewöhnliche Erhaltungsbedingung: Hölzer, organische Materialien und feinteilige Strukturen blieben in den Profilen sichtbar, die in vergleichbaren Kontexten vollständig oxidiert wären. Freigelegt wurden hölzerne Wasserrohre, Reste von Zaunanlagen und Bohlenwege, die als Corduroy Roads angesprochen werden – Belege für den bautechnischen Standard des Quartiers vom 16. Jahrhundert an.
Der Zug Graben als zeitlicher Leithorizont
Ein zentraler Schnitt erfasste einen Abschnitt des Zug Grabens, eines 1520 erstmals schriftlich belegten Kanals. Der Graben diente Entwässerung, Brandschutz, Transport und Verteidigung und wurde laut Befund zwischen 1810 und 1815 planmäßig verfüllt. Diese Verfüllung bildet einen stratigrafischen Fixpunkt, der umliegende Kulturschichten zeitlich eingrenzt. Über dem Graben verlaufen heute moderne Straßen, deren Trasse den ehemaligen Verlauf exakt nachzeichnet. Aus den angrenzenden Schichten stammen Knochenbearbeitungsabfälle, die nach Einschätzung der Ausgräber auf lokales Handwerk mit religiösem und häuslichem Produktspektrum hinweisen.
Funde als chronologischer Querschnitt
Unter den numismatischen Befunden ragt ein Rechenpfennig mit dem Bildnis Katharinas der Großen hervor, signiert von dem Nürnberger Prägeur Johann Christian Reich. Die Münze wird auf 1796 bis 1800 datiert und belegt die Einbindung Königsbergs in überregionale Handelsnetze. Eine 50-Kopeken-Silbermünze von 1897 mit Zar Nikolaus II. ergänzt das spätkaiserzeitliche Spektrum. Im Keller eines durch den britischen Bombenangriff vom August 1944 zerstörten Gebäudes wurden geschmolzene Flaschen, verzogene Fensterscheiben und verschmolzene Keramik geborgen. Daneben traten importiertes Porzellan, Mettlach-Bodenfliesen, Ziegel mit regionalen Herstellerstempeln, Taschenuhren, Gebrauchsgegenstände und Stempel aus der NS-Zeit zutage.
Was zu beobachten bleibt
Die methodische Bedeutung der Grabung liegt in der Kombination aus wassergesättigter Erhaltung und geschlossener Schichtenfolge über mehrere Jahrhunderte. Damit werden Bau- und Infrastrukturtechniken einer Vorstadt in einer Dichte dokumentierbar, wie sie für Königsberg bislang nicht vorlag. Relevant für die weitere Beobachtung bleiben die geplante Veröffentlichung der Grabungsdokumentation, die Anbindung des Zug Grabens an benachbarte Areale sowie die Frage, wie die organhaltigen Befunde dauerhaft konserviert werden.