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Geschichte im Weserbergland neu freigelegt

Meldung

Archäologische Entdeckungen 2026: Neue Einblicke in Thüringens Siedlungsgeschichte

Das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) hat seine Meldungen für 2026 vorgelegt.

Archäologische Entdeckungen 2026: Neue Einblicke in Thüringens Siedlungsgeschichte

Im Mittelpunkt stehen die Begleitung einer Kanalbaumaßnahme am „Städtlein" Heldburg, die Erstuntersuchung des Bergfrieds von Schloss Altenstein sowie bauvorgreifende Flächengrabungen entlang der SuedOstLink-Trasse, die unter anderem eine stichbandkeramische Siedlung mit sieben Gebäudegrundrissen freilegten.

Stadtmauer Heldburg und Bergfried Altenstein

Heldburg, Hauptort des gleichnamigen Unterlandes im südlichsten Zipfel Thüringens, erhielt 1380 das Stadtrecht. Urkunden der Mitte des 15. Jahrhunderts bezeichnen den Ort weiterhin als „Städtlein" oder „Flecken" – ein quellenkundlicher Hinweis auf den stockenden Stadtwerdungsprozess. Eine Kanalbaumaßnahme 2025–2026 erforderte die archäologische Begleitung von Resten der Stadtmauer durch das TLDA.

Am westlichen Rand des Thüringer Waldes liegt Schloss Altenstein, 1890 im Stil der Neorenaissance errichtet, im Zentrum eines 160 ha großen Landschaftsparks. Sanierungsarbeiten der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Sommer 2025 ermöglichten dem TLDA erstmals eine fachliche Untersuchung des mittelalterlichen Bergfrieds.

Linearkeramik und slawische Befunde an der SOL-Trasse

Westlich von Walpernhain wurde zwischen September 2023 und April 2025 eine Fläche von etwa 3 ha aufgedeckt. Im Ostteil des Areals ließ sich eine stichbandkeramische Siedlung mit sieben Gebäudegrundrissen dokumentieren. Die Grabungen erfolgten bauvorgreifend zur Stromtrasse SuedOstLink.

An der Querung der Weida durch die SOL-Trasse erfasste das TLDA 2023/2024 weitere 17 Befunde mit maximal 45 cm Tiefe, vorwiegend Gruben. Sie werden als slawische Siedlungsreste interpretiert. Die Lage 1,8 km nordöstlich von Weida und 0,5 km südwestlich des Klosters Mildenfurth im Landkreis Greiz verortet den Befund in einen archivalisch bereits belegten Siedlungsraum. Insgesamt spiegeln die Voruntersuchungen im Saale-Holzland-Kreis und im Landkreis Greiz nach Angaben des Amtes 6500 Jahre menschliche Besiedlungsgeschichte wider.

Frauensee, Helmershausen und Zimmern

Das Zisterzienserinnenkloster Frauensee, erstmals 1202 erwähnt, wurde bereits 1994, 2002/2003 und 2023/2024 untersucht. Bei Umbauarbeiten in einem Wirtschaftsgebäude des auf einer Insel im Frauensee gelegenen „Conventus in Lacu" wurden im Sommer 2025 erneut mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde festgestellt und durch das TLDA dokumentiert.

Der ehrenamtliche Mitarbeiter des TLDA, Manuel Dietz, barg in Helmershausen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen eine Armbrustfibel mit gleichbreitem Fuß. Der Neufund wird vom Amt als Streiflicht auf die Einbindung der Rhön in das kaiserzeitliche Verkehrswegenetz gedeutet. Am nordöstlichen Ortsrand von Zimmern, Stadt Bad Langensalza, ließen sich abschließend Verfärbungen in einer Baugrube als Befundreste archäologisch aufnehmen.