Mittelalterliche Holzgebäude bei Ausgrabung in versunkenem Dorf entdeckt
Wie die University of Leicester aus Loddington, Leicestershire, meldet, haben Studierende der Archäologie bei einer neuen Grabung die Reste mittelalterlicher Holzgebäude in einem versunkenen Dorf freigelegt.

Für jeden Rekonstrukteur, der mit Ständerbauten, Pfosten und Lehmgefachen arbeitet, ist so ein Befund mehr als nur ein Sensationsfund – hier liegt das Skelett eines wirklichen mittelalterlichen Dorfes im Boden, nicht nur dessen repräsentative Hülle.
Pfostenlöcher, Gräben und Stamford-Ware
Die eigentliche Sensation vergräbt sich unter der Grasnarbe. Zahlreiche Pfostenlöcher markieren Holzgebäude entlang eines Weges, eingefasst von Gräben. Wer einmal einen mittelalterlichen Ständerbau nachgestellt hat, weiß: Ohne diese Löcher bleibt jede Rekonstruktionszeichnung fromme Theorie. Hier lassen sich Pfostenabstände messen, Stärken schätzen und Firsthöhen zurückrechnen – jeder Posten ein Datenpunkt für die Werkstatt.
In den Verfüllungen fanden sich Scherben von Stamford Ware, einer bleiglasierten Irdenware aus dem 9. bis 13. Jahrhundert. Das ist mehr als ein nettes Datum. Wer selbst am Brennofen steht, kennt den Unterschied: Bleiglasur heißt höhere Brenntemperatur, andere Oberfläche. Solche Funde geben der Chronologie einen harten Anker und zeigen, dass das Dorf über Jahrhunderte hinweg aktiv war, bevor Steinbauten die Oberhand gewannen.
Was Stein und Holz zusammen erzählen
Im Nordteil des Schnitts blieben Steinfundamente, Ziegelfliesen und ein gepflasterter Weg erhalten – vermutlich Reste eines nachmittelalterlichen Gebäudes, das mit Loddington Hall in Verbindung gebracht wird. Klingt nach klassischer Architektur, ist aber auch für unsere Zunft aufschlussreich: Der Übergang vom Holz- zum Steinbau markiert den Moment, in dem ein Dorf sich leisten konnte, was vorher den Hallen vorbehalten war. Wer hier ablesen kann, wann das geschah, hat auch bei uns ein Argument für die eigene Datierung.
Projektleiterin Dr. Philippa Walton von der School of Heritage and Culture kündigt an, dass die Funde vom archäologischen Feldschulteam der Universität ausgewertet werden. Das Ziel: ländliche Besiedlung, Landnutzung und Wandel des Dorflebens über mehrere Jahrhunderte besser verstehen.
Was bei uns im Weserbergland noch im Boden schlummert, weiß niemand. Aber wenn englische Studierende solche Strukturen freilegen, darf man getrost davon ausgehen, dass auch hier mancher Kirchenbau weniger erzählt als ein gut dokumentiertes Pfostenloch daneben.